Der TuS 1922 Eberstadt e.V.

Aus der Vereinsgeschichte: Von der Gründung des TV zum heutigen TuS

Es begann in einer schweren Zeit

Es war keine leichte Zeit Anfang der zwanziger Jahre. Der 1. Weltkrieg lag erst kurze Zeit zurück, politische Wirren, Wirtschaftskrise, Inflation. Dennoch fanden sich einige junge Männer zusammen, um einen Turnverein in Eberstadt zu gründen.

Mündlichen Überlieferungen zufolge soll es schon kurz nach der Jahrhundertwende in Eberstadt turnerische Aktivitäten gegeben haben. Begeisterte Jugendliche hatten das Turnen in das Dorf gebracht und hielten erste Übungsstunden ab. Bestrebungen, die auf eine Vereinsgründung hinausliefen, endeten jäh mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges. Die Idee eines Turnvereins lebte jedoch in den Köpfen weiter.

So kam es schließlich am 13. August 1922 zur Gründung des Turnvereins (TV) „Gut Heil“ 1922 Eberstadt. Im Gasthaus „Zur Post“ trafen sich 35 Interessenten, welche dem Verein beitraten. Da auch bei einigen jungen Turnern das Interesse für die Musik vorhanden war, rief man gleichzeitig einen Spielmannszug ins Leben.

TuS1924_Turngang

Eines der Ersten Vereinsfotos stammt aus dem Jahr 1924 – ein „Turngang“ nach Bad Nauheim wurde unternommen. Die Wanderer wurden dabei vom Spielmannszug begleitet.

Entwicklung zum modernen Turn- und Sportverein

Der TV beschäftigte sich bis zum Erliegen des Vereinsbetriebes 1942 und auch nach der Wiederaufnahme im Jahr 1946 mit Turnen, Leichtathletik, Wandern und der Spielmannsmusik. In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte sich die Musikabteilung zum erfolgreichen Spielmanns- und Fanfarenzug. Ende der 1960er Jahre erfolgte der Umbau zum Musikzug mit Harmoniebesetzung, was den Grundstein für das heutige erfolgreiche Blasorchester legte.

Erfolgreich bei zahlreichen Wettkämpfen waren TuS-Leichtathleten in den 1960er Jahren. Das Foto zeigt eine Riege im Jahr 1952 bei einem Vergleichswettkampf in Rockenberg.

Erfolgreich bei zahlreichen Wettkämpfen waren TuS-Leichtathleten in den 1960er Jahren. Das Foto zeigt eine Riege im Jahr 1952 bei einem Vergleichswettkampf in Rockenberg.

Ende der 1940er Jahre entstand ein eigenständiger Tischtennisclub in Eberstadt. Bei einer gemeinsamen Mitgliederversammlung von TV und TC am 31.01.1952 wurde die Verschmelzung beider Vereine beschlossen; der Verein bekam nun den neuen Namen „Turn- und Sportverein 1922“ (TuS). Seit einigen Jahren gibt es eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Tischtennisgemeinschaft Eberstadt/Muschenheim.

“Turner sein – heißt treu sein”: Der Festwagen des TuS mit dem „Turnvater Jahn“ beim Fest zum 30jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1952.

“Turner sein – heißt treu sein”: Der Festwagen des TuS mit dem „Turnvater Jahn“ beim Fest zum 30jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1952.

Anfang der siebziger Jahre entwickelte sich bei einigen Fußballfans ein verstärktes Interesse, in Eberstadt einen Fußballverein zu gründen. Nach intensiven Gesprächen mit dem Vorstand des TuS rief man schließlich ab Januar 1973 die Abteilung Fußball ins Leben. Nach mehreren Jahren von Spielgemeinschaften mit Nachbarvereinen wurde im Jahr 1998 der Spielbetrieb eingestellt und die Abteilung aufgelöst.

Der zunehmende Trend ab Mitte der siebziger Jahre zum Laufsport führte schließlich im Jahr 1985 zur Gründung einer Lauftreff-Gruppe innerhalb der Abteilung Turnen/Leichtathletik. Heute gehört hierzu auch eine starke Nordic-Walking-Gruppe.

Nach der Jahrtausendwende wurde die Abteilung „Turnen/Leichtathletik“ in „Turnen/Freizeitsport“ umbenannt, um den veränderten Interessen Rechnung zu tragen. Heute steht hier weniger der Wettkampf als mehr die Freizeitaktivität im Vordergrund. Die Abteilung vereint Angebote für alle Altersgruppen: Vom Kleinkinder-, Kinder- und Schülerturnen über Gymnastik, Aerobic, Tanzen, Badminton, Lauftreff und Nordic-Walking bis zum Seniorensport.

Übungs- und Sportstätten des Vereins

Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte war das Jahr 1932. Bis dahin mussten die Turnstunden im alten Saal des Gastwirtes Hermann Wedemann abgehalten werden. Dies war bei weitem keine optimale Übungsstätte und die Turnstunden konnten nicht immer regelmäßig stattfinden.

So beschloss der Vorstand 1932 die Errichtung einer vereinseigenen Turnhalle auf dem Turnplatz. Nachdem die Gemeinde zugestimmt hatte, begannen die Arbeiten im August des Jahres. Da alle Turner kräftig mit anpackten, gingen die Arbeiten zügig voran und schon im Februar 1933 fand die erste Turnstunde in der neuen Halle statt. Die Halle stand auf dem späteren Kleinsportplatz in der Römerstraße in etwa dort, wo sich heute die Feuerlöschzisterne befindet.

Nachdem 1952 die Abteilung Tischtennis in den Verein aufgenommen war, zeichnete sich aber schon ab, dass diese vereinseigene Halle, deren Grundfläche nicht größer als 6 x 6 Meter gewesen sein dürfte, für die Bedürfnisse des Vereins zu klein wurde. Die Tischtennisabteilung trainierte und spielte daher im Saal des Gasthauses „Zum Schwanen“, Ecke Steinstraße/Arnsburger Straße.

Im Jahr 1962 wurde die neue Schule (heute Dorfgemeinschaftshaus) mit einer 10 x 10 Meter großen Gymnastikhalle fertiggestellt. Die Gemeinde genehmigte den Ortsvereinen die kostenlose Benutzung dieser Halle. Die kleine vereinseigene Turnhalle an der Römerstraße verlor immer mehr an Bedeutung. Zuletzt diente sie nur noch als Abstellraum und Übungsraum für den Musikzug.

Die alte Turnhalle des TuS auf der heutigen Grünfläche zwischen Römerstraße und Burgweg. Sie wurde 1971 abgerissen und ein Kleinsportplatz entstand auf dem Gelände.

Die alte Turnhalle des TuS auf der heutigen Grünfläche zwischen Römerstraße und Burgweg. Sie wurde 1971 abgerissen und ein Kleinsportplatz entstand auf dem Gelände.

Da der ehemalige Turnplatz mit dem offenen Feuerlöschteich, den alteingesessenen Eberstädtern als „die Bach“ bekannt, neu gestaltet werden sollte und die Halle baufällig wurde, riss man sie 1971 ab. Hier entstand nun in günstiger Nähe zur Gymnastikhalle ein Kleinsportplatz mit Hoch- und Weitsprunganlage sowie Kugelstoßkreis. Nach Fertigstellung des Sportplatzes am Gambacher Weg wurde der Kleinsportplatz aufgegeben und zur Grünfläche umgestaltet.

Schon zu Beginn der siebziger Jahre, noch vor Gründung der Fußballabteilung, gab es Bestrebungen einen Rasensportplatz zu errichten. Nachdem nun ab 1973 Fußball in Eberstadt gespielt wurde, musste dringend ein geeigneter Sportplatz her. Die ersten acht Jahre allerdings musste auf einer provisorisch hergerichteten Wiese gespielt werden, bevor am 9. August 1981 der von der Stadt Lich erbaute neue Sportplatz am Gambacher Weg seiner Bestimmung übergeben wurde. Die Einweihung des Sportheimes konnte am 23. Mai 1983 erfolgen.

Beliebt waren in den 1970er bis 1990er Jahren die Volleyballturniere für Hobbymannschaften. Das Foto entstand Mitte der 1980er Jahre, gespielt wurde auf dem damaligen Kleinsportplatz.

Beliebt waren in den 1970er bis 1990er Jahren die Volleyballturniere für Hobbymannschaften. Das Foto entstand Mitte der 1980er Jahre, gespielt wurde auf dem damaligen Kleinsportplatz.

Anders sah dies bei den restlichen Abteilungen aus. Das sich ändernde Sportangebot der Abteilung Turnen/Leichtathletik verlangte nach mehr Platz. Die Tischtennisabteilung war auf das Wohlwollen der Spielgegner angewiesen, denn die Gymnastikhalle entsprach nicht den geforderten Mindestmaßen und der Mindestbeleuchtung. Das Blasorchester, welches Anfang der achtziger Jahre auf über 50 Aktive kam, hatte größte Schwierigkeiten mit dem Platz und der Akustik in der Gymnastikhalle. Hinzu kam, dass es in Eberstadt keinen geeigneten Raum gab, in welchem man eine öffentliche Veranstaltung durchführen konnte.

So begannen Anfang der achtziger Jahre Gespräche mit der Stadtverwaltung. Schließlich stellten der TuS und die Abteilungen 1984 offiziell Anträge auf eine Erweiterung der Gymnastikhalle. Das Thema war fortan ein Dauerbrenner und lange Zeit sah es mit einer Realisierung schlecht aus. Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms für Eberstadt war es der Stadt Lich aber dann doch möglich, eine neue Halle auf dem Hof des Dorfgemeinschaftshauses zu errichten. Die frühere Gymnastikhalle wurde in Bühne, Umkleiden und Waschräume umgebaut und in das Projekt integriert.

Am 15. September 1990 war es endlich so weit: Feierlich wurde die neue Mehrzweckhalle ihrer Bestimmung übergeben. Nachdem man sich während der Bauzeit sehr einschränken musste, der Turnbetrieb wurde zeitweise ganz eingestellt, war es ein Segen, diese neue 14 x 18 Meter große Halle nun für den Sport- und Übungsbetrieb nutzen zu können. Die Halle ist heute allein durch den TuS nahezu „ausgebucht“.

1990 entstand am Dorfgemeinschaftshaus die heutige Mehrzweckhalle – eine enorme Verbesserung für den Spiel- und Übungsbetrieb des TuS.

1990 entstand am Dorfgemeinschaftshaus die heutige Mehrzweckhalle – eine enorme Verbesserung für den Spiel- und Übungsbetrieb des TuS.

Leitung und Verwaltung

Aus dem einstigen Turnverein ist mit der Entwicklung zum heutigen Turn- und Sportverein auch die Entwicklung zu einem Verein mit zeitgemäßer Verwaltungsstruktur gelungen. Der TuS ist als „Dachorganisation“ für die einzelnen Sparten, die eigenverantwortlich für ihren sportlichen oder musikalischen Bereich arbeiten, zu sehen.

Die Mitgliederzahl in unserem Verein ist bis heute stetig angestiegen. Dies ist sicherlich Indiz dafür, dass mit dem Ausbau des sportlichen Angebotes auch mehr Menschen angesprochen wurden und ein Betätigungsfeld für sich im TuS sehen. Mit Stolz können wir heute sagen, dass mit unseren rund 480 Mitgliedern rechnerisch mehr als jeder zweite Eberstädter Mitglied im TuS ist. Über 140 Mitglieder kommen von auswärts zu uns. Viele passive Mitglieder sehen sich als Freunde und Gönner und unterstützen mit ihren Mitgliedsbeiträgen die Arbeit des Vereins.

In der langen Vereinsgeschichte gab es immer Höhen und Tiefen, Erfolge und Niederlagen. Auch heute haben wir nicht nur Erfolge, sondern auch unsere Probleme. Die organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen und die hohe Mitgliederzahl stellen heute besondere Herausforderungen an die Vereinsführung.

Hansgünter Schneider, Juni 2009

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