Geschichte

Von der Gründung des TV zum heutigen TuS
– Hansgünter Schneider, Juni 2009

Es begann zu einer schweren Zeit


Mündlichen Überlieferungen zufolge soll es schon kurz nach der Jahrhundertwende in Eberstadt erste turnerische Aktivitäten gegeben haben. Sportbegeisterte Jugendliche hatten das Turnen in das kleine Dorf gebracht und hielten erste Übungsstunden ab. Ihre Bestrebungen, die auf eine Vereinsgründung hinauslaufen sollten, endeten jedoch jäh mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges. Die Idee eines Turnvereins lebte allerdings, trotz der schweren Zeit, immer in den Köpfen der jungen Männer weiter.

Anfang der zwanziger Jahre – der 1. Weltkrieg lag erst kurze Zeit zurück, es gab politische Wirren, eine Wirtschaftskrise, die Inflation – freilich keine leichte Zeit. Dennoch fanden sich einige junge Männer zusammen, um den Gedanken von früher aufzugreifen und einen Turnverein in Eberstadt zu gründen.

So kam es schließlich am 13. August 1922 zur Gründung des Turnvereins „Gut Heil“ 1922 Eberstadt. Im Gasthaus „Zur Post“ trafen sich insgesamt 35 Interessenten, welche dem Verein beitraten. Da auch bei einigen jungen Turnern das Interesse für die Musik vorhanden war, rief man gleichzeitig einen Spielmannszug ins Leben.

Eines der Ersten Vereinsfotos stammt aus dem Jahr 1924
„Turngang“ nach Bad Nauheim, begleitet vom Spielmannszug

Entwicklung zum modernen Turn- und Sportverein


Der TV beschäftigte sich bis zum Erliegen des Vereinsbetriebes 1942 und auch nach der Wiederaufnahme im Jahr 1946 mit Turnen, Leichtathletik, Wandern und der Spielmannsmusik. Speziell in der Leichtathletik war man in den 1950er und 1960er Jahren bei zahlreichen Wettkämpfen erfolgreich.

Erfolgreiche TuS-Leichtathleten im Jahr 1952
Vergleichswettkampf in Rockenberg

Parallel zu den sportlichen und musikalischen Aktivitäten beim TV entstand Ende der 1940er Jahre auch ein eigenständiger Tischtennisclub in Eberstadt. Bereits wenige Jahre später, bei einer gemeinsamen Mitgliederversammlung von TV und TC, wurde am 31.01.1952 die Verschmelzung beider Vereine beschlossen – der Verein bekam an diesem Tag den neuen und bis heute gültigen Namen „Turn- und Sportverein 1922“.

1952, beim Fest zum 30-jährigen Vereinsjubiläum
„Turner sein – heißt treu sein“ – der Festwagen des TuS

In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte sich die Musikabteilung zum erfolgreichen Spielmanns- und Fanfarenzug weiter, ehe Ende der sechziger Jahre der Umbau zum Musikzug mit Harmoniebesetzung erfolgte – was letztlich den Grundstein für das heute so erfolgreiche Blasorchester legen sollte.

Anfang der siebziger Jahre entwickelte sich bei einigen Fußballfans im Ort ein verstärktes Interesse, in Eberstadt einen eigenen Fußballverein zu gründen. Nach intensiven Gesprächen mit dem Vorstand des TuS rief man schließlich ab Januar 1973 die Abteilung Fußball ins Leben. Nach mehreren Jahren, auch in Spielgemeinschaften mit Nachbarvereinen, wurde jedoch im Jahr 1998 der Spielbetrieb eingestellt und die Abteilung aufgelöst.

Ein weiterer, zunehmender Trend in den späten 1970er, frühen 1980er Jahren war der allgemeine Laufsport. Dieser Trend führte schließlich im Jahr 1985 zur Gründung einer eigenen Lauftreff-Gruppe welche innerhalb der Abteilung „Turnen/Leichtathletik“ angesiedelt war und aus der später eine starke Nordic-Walking-Gruppe hervor ging.

Nach der Jahrtausendwende wurde die Abteilung „Turnen/Leichtathletik“ in „Turnen/Freizeitsport“ umbenannt um den veränderten Interessen Rechnung zu tragen. Heute nimmt diese Abteilung den größten sportlichen Bereich innerhalb des TuS ein, bei dem weniger der Wettkampf als mehr die Freizeitaktivität im Vordergrund steht. So vereint diese Abteilung auch Angebote für alle Altersgruppen – vom Kleinkinder-, Kinder- und Schülerturnen über Gymnastik, Aerobic, Tanzen, Badminton, Lauftreff und Nordic-Walking bis zum Seniorensport.


Übungs- und Sportstätten


Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte war das Jahr 1932. Bis dahin mussten die Turnstunden im alten Saal des Gastwirtes Hermann Wedemann abgehalten werden. Dies war bei weitem keine optimale Übungsstätte und die Turnstunden konnten nicht immer regelmäßig stattfinden. So beschloss der Vorstand 1932 die Errichtung einer vereinseigenen Turnhalle auf dem Turnplatz – zwischen Römerstraße und Burgweg. Nachdem die Gemeinde dem Baus zugestimmt hatte, begannen die Arbeiten noch im August des selben Jahres. Da alle Turner kräftig mit anpackten, gingen die Arbeiten zügig voran und schon im Februar 1933 fand die erste Turnstunde in der neuen Halle statt.

Die alte Turnhalle des TuS, zwischen Römerstraße und Burgweg
Sie wurde 1971 abgerissen und ein Kleinsportplatz entstand auf dem Gelände

Nachdem 1952 der eigenständige TC als Abteilung Tischtennis in den Verein aufgenommen worden war zeichnete sich jedoch schnell ab, dass diese vereinseigene Turnhalle – deren Grundfläche nicht größer als 6 x 6 Meter gewesen sein dürfte – für die Bedürfnisse des Vereins zu klein werden würde. Die Tischtennisabteilung trainierte und spielte daher im Saal des Gasthauses „Zum Schwanen“, Ecke Steinstraße/Arnsburger Straße.

Im Jahr 1962 wurde die neue Schule (heute Dorfgemeinschaftshaus) mit einer 10 x 10 Meter großen Gymnastikhalle fertiggestellt. Die Gemeinde genehmigte den Ortsvereinen die kostenlose Benutzung dieser neuen Halle. Die kleine vereinseigene Turnhalle an der Römerstraße verlor dadurch jedoch immer mehr an Bedeutung und diente nur noch als Abstellraum und Übungsraum für den Musikzug. Da die Halle in den folgenden Jahren baufällig wurde, riss man sie 1971 letztlich ab.

Der angrenzende, ehemalige Turnplatz mit dem offenen Feuerlöschteich – den alteingesessenen Eberstädtern auch als „die Bach“ bekannt – wurde nach dem Abriss der Halle neu gestaltet. Hier entstand nun in günstiger Nähe zur Gymnastikhalle ein Kleinsportplatz mit Hoch- und Weitsprunganlage sowie Kugelstoßkreis. Nach Fertigstellung des Sportplatzes am Gambacher Weg wurde der Kleinsportplatz jedoch als offizielle Sport- und Übungsstätte wieder aufgegeben und zur Grünfläche umgestaltet.

Das Foto entstand Mitte der 1980er Jahre, auf dem damaligen Kleinsportplatz
Beliebt in den 1970er bis 1990er Jahren, die Volleyball-Turniere für Hobbymannschaften

Schon zu Beginn der siebziger Jahre, und damit noch vor Gründung der späteren Fußballabteilung, gab es Bestrebungen einen Rasensportplatz zu errichten. Nachdem nun ab 1973 Fußball in Eberstadt gespielt wurde, musste also dringend ein geeigneter Sportplatz her. Die ersten acht Jahre jedoch musste noch auf einer provisorisch hergerichteten Wiese gespielt werden, ehe am 09.08.1981 der von der Stadt Lich erbaute neue Sportplatz am Gambacher Weg seiner Bestimmung übergeben wurde. Die Einweihung des angrenzenden Sportheimes konnte dann gut eineinhalb Jahre später, am 23.05.1983 erfolgen.

Parallel zum Bau des Sportplatzes begannen Anfang der achtziger Jahre erste Gespräche mit der Stadtverwaltung, denn das sich ändernde Sportangebot der Abteilung Turnen/Leichtathletik verlangte ebenfalls nach mehr Platz. Die Tischtennisabteilung war auf das Wohlwollen der Spielgegner angewiesen da die Gymnastikhalle nicht den geforderten Mindestmaßen und der Mindestbeleuchtung entsprach. Auch das Blasorchester, welches Anfang der achtziger Jahre auf über 50 aktive Mitglieder kam, hatte größte Schwierigkeiten mit dem Platz und der Akustik in der Gymnastikhalle bei den Musikproben. Hinzu kam, dass es in Eberstadt keinen geeigneten Raum gab, in welchem man eine öffentliche Veranstaltung durchführen konnte.

Schließlich stellten der TuS und die betroffenen Abteilungen sowie das BLO 1984 offiziell Anträge auf eine Erweiterung der Gymnastikhalle. Das Thema war fortan ein Dauerbrenner und lange Zeit sah es mit einer Realisierung schlecht aus. Doch im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms für Eberstadt war es der Stadt Lich dann letztlich möglich, eine neue Halle auf dem Hof des Dorfgemeinschaftshauses zu errichten. Die frühere Gymnastikhalle wurde in Bühne, Umkleiden und Waschräume umgebaut und so in das Projekt der Mehrzweckhalle integriert.

1990 entstand am Dorfgemeinschaftshaus die heutige Mehrzweckhalle
Eine enorme Verbesserung für den Spiel- und Übungsbetrieb des TuS

Am 15.09.1990 war es dann letztlich und endlich so weit, feierlich wurde die neue Mehrzweckhalle ihrer Bestimmung übergeben. Nachdem man sich während der Bauzeit sehr einschränken musste – der Turnbetrieb wurde zeitweise ganz eingestellt – war es ein Segen, diese 14 x 18 Meter große Halle nun für den Sport- und Übungsbetrieb sowie musikalische und kulturelle Veranstaltungen nutzen zu können.


Leitung und Verwaltung


Aus dem einstigen Turnverein ist mit der Entwicklung zum heutigen Turn- und Sportverein auch die Entwicklung zu einem Verein mit zeitgemäßer Verwaltungsstruktur gelungen. Der TuS ist als „Dachorganisation“ für die einzelnen Sparten, die eigenverantwortlich für ihren sportlichen oder musikalischen Bereich arbeiten, zu sehen.

Die Mitgliederzahl in unserem Verein ist bis heute stetig angestiegen. Dies ist sicherlich Indiz dafür, dass mit dem Ausbau des sportlichen Angebotes auch mehr Menschen angesprochen wurden und ein Betätigungsfeld für sich im TuS sehen. Mit Stolz können wir heute sagen, dass mit unseren rund 480 Mitgliedern rechnerisch mehr als jeder zweite Eberstädter Mitglied im TuS ist. Über 140 Mitglieder kommen von auswärts zu uns. Viele passive Mitglieder sehen sich als Freunde und Gönner und unterstützen mit ihren Mitgliedsbeiträgen die Arbeit des Vereins.

In der langen Vereinsgeschichte gab es immer Höhen und Tiefen, Erfolge und Niederlagen. Auch heute haben wir nicht nur Erfolge, sondern auch unsere Probleme. Die organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen und die hohe Mitgliederzahl stellen heute besondere Herausforderungen an die Vereinsführung.